Mittwoch, 6. August 2008





Mittwoch, 6.8.08 von Sebastian

Unser Tag begann heute wie gewohnt, die Frühaufsteher unter uns beendeten ihre (und unsere) Nachtruhe zwischen 7 und halb 8, während der Rest noch ein Weilchen im Bett liegen blieb, bis dann gegen halb 9 schließlich alle auf den Beinen waren.

Nach dem Frühstück sollten dann die vier von uns, die die Kindergruppe in den botanischen Garten nach Kirstenbosch begleiten sollten zuhause auf das bestellte Minibus Taxi warten während der Rest der Gruppe in Richtung Baustelle aufbrach.

Vor Ort sahen wir dann mit Freude, dass die Bauarbeiter heute schon früh begonnen hatten mit dem Verputzen der Außenwände des Kindergartengebäudes und begannen ebenfalls mit unserer Arbeit. Einige kümmerten sich weiter darum, den ehemaligen Wassertank und zukünftigen Sandkasten auszuheben, während andere den Graben rund um den Zaun für die geplante Hecke aushoben. Wiederum andere halfen den Bauarbeitern den Zement anzumischen, ihn nach draußen an den Ort wo er benötigt wurde zu beschaffen und halfen zwei anderen Bauarbeitern dabei den Anbau für die sanitären Anlagen weiterzubauen, wo heute mit dem Einbauen der Türrahmen begonnen wurde.

Nach einer Weile verließen Zoleka, Solveigh und Ich dann die Baustelle in Richtung Kapstadt, wo der Architekt des gesamten Baus uns in seinem Büro erwartete.

Nach einem mehr oder minder ausgiebigen Gespräch über die weitere Vorgehensweise und die verschiedenen Möglichkeiten bezüglich des Bauens eines weiteren Anbaus und des Gartens, fuhren wir dann weiter zum Starke Ayres garden centre, wo wir uns nach Bäumen, hecken und Weiterem erkundigen wollten, was wir für das weitere Voranschreiten des Kindergartenbaus brauchen. Es stellte sich erfreulicherweise jedoch sogar heraus, dass wir eventuell einige Materialien gesponsort bekommen könnten, wofür wir jedoch einen offiziellen Brief mit einer Anfrage an die Firma per eMail schicken sollten. Wir bedankten uns und fuhren mit dem Plan, dies noch heute zu erledigen weiter zu einer Bekannten Zolekas, die uns ein weiteres Klettergerüst zur Verfügung stellt, da uns das bereits vorhandene leider zur Zeit noch ein ungelöstes Rätsel darstellt...

Als ich eben von der Tagesplanung sprach, sagte ich ganz bewusst „sollten“, denn als Zoleka einen weiteren Anruf erhielt stellte sich nun heraus, dass die Kindergartengruppe und unsere vier Begleiter immer noch nicht aufgebrochen waren, obwohl es bereits ca. 11 uhr war. Wir hörten, dass einige der Taxis heute streikten und versuchten alles, den Trip irgendwie zu retten und riefen den uns bereits von vorherigen Trips bekannten Taxifahrer Simpra an und letztendlich konnte die Gruppe um ca. haln 12 dann schließlich aufbrechen.

Wie auch immer fuhren wir, nachdem wir einige Fotos gemacht hatten weiter zurück in Richtung Tambo Village, wo die anderen desweilen hart am arbeiten waren.

Wir fuhren zunächst zur Baustelle, um den fehlenden Türrahmen, den wir auf dem Weg noch besorgt hatten abzuladen und stellten sehr erfreut fest, dass bereits zwei Wände verputzt waren und der Graben auch fast vollkommen fertiggestellt wurde.

Da jedoch niemand von unserer Gruppe mehr vor Ort war fuhren wir zu unserem Haus zurück um zu Mittag zu essen und teilten uns gegenseitig mit, wie unser Tag soweit verlaufen war.

Nachdem Mittagessen ging die Gruppe wie gewohnt wieder zurück zur Baustelle und widmete sich wieder der arbeit.

Inzwischen sind die vier Begleiter der kleinen Kinder zurückgekehrt und haben sich nach einer Tasse Tee auch in Richtung Baustelle begeben, während ich in diesem Moment zuhause umgeben von einigen Kindern im Wohnzimmer sitze, wo ich eben den Antrag geschrieben habe, welchen wir gleich, wenn die Gruppe zurück ist noch im Internetcafé an die Firma schicken werden, sodass wir hoffentlich bald die benötigten Materialien abholen können.

Wie gewohnt wird gleich unser übliches Abend“programm“ starten, einige werden duschen, bzw. „baden“, oder „sich waschen“, während andere kochen und wieder andere vermutlich zur Vangate Mall fahren um einige Besorgungen zu machen und den Antrag abzuschicken.

Uns allen geht es super und wir haben eine menge spaß.

Neues von uns gibt es vermutlich in ein paar Tagen, bis dann einmal mehr viele Grüße aus Südafrika!!!


von Sebastian Suhr

Dienstag, 5.8.08 von Carol

A glance out the window after the 7.30 alarm (“Time to get up - it´s 7.30”) didn´t provide a promising weather report. Solveigh was sitting on the couch working on bills and so on. I made some coffee for both of us. Everybody else was taking his/her time getting up. As usual the bathroom was the most busy place in the house with about three people showering, not simultaneously of course. When we finally started walking toward the site it was already after 9 o´clock. By this time the sun had managed to come out and the clouds were on their retreat.

Today – Tuesday - was a day of complications. The first one was: who will go to the site by car, who will walk? First everybody walked except the late people. They were – lo and behold – suddenly sitting in Moritz car and simply drove past us with great grins on their faces. Then Zoleka stopped and picked up a few of us. Now we really had a problem. What about the rest? Well, if I remember correctly, Zoleka did some phoning on her handy to solve this one. And they did get a ride to the site as well. it wasn´t clear in the first place why we needed a ride to the site.

The site: With a burst of energy all got busy with the pile of stones we had created the day before. Now came the next complication. Should we throw them over the fence into the neighbouring empty lot or not? Well, after deliberating over the pros and cons we decided to go ahead with throwing them over. To placate our guilty European consciences about throwing garbage on somebody else´s property, we started fabricating plans to rid not only the neighbouring property of all the different kinds of garbage, but to do this on other “empty” lots as well. Soon we were finished with the stones and got into our next quandary. What shall we do now? It wasn´t long before we had become totally engrossed in two new big jobs: 1) the sorting out of the puzzle “Jungle Gym/Jim” (i.e., playground bits and pieces) and weeding and digging out the overgrown circle beside the blue shed. It was a circle of grass, stones and rubbish circumscribed by a circle of cement. The first job took some puzzling and then we decided to prepare and put up only the parts that made sense to us and either leave the remaining poles or find a different idea about what to make out of them. The second job turned into a biggee. It was a semi-archeological task going through the various layers of Manenberg garbage. When we finally reached the big stones and two old carpets, we also reached what appeared to be water level. This brought us to a new idea. Why not make a sand box? When we´ve dug down to water level, we can put the dug up stones back in and a layer of sand on top. So now we got busy with digging and sorting of stones. In the midst of all this a dozen or more children from the street suddenly appeared on the lot. They had about the same energy level as we had had when we started work in the morning. They were all over the place wearing our gloves, using our tools and sorting stones. Busy as bees. For a while we let them be but when we couldn´t stand being unemployed any longer - and, of course, we were concerned about their safety as good Europeans always are - we decided to let them know they had finished their jobs and thanked them for their help. Deep down we were scared they would/will come back, bringing along about 10 more each.

It was our first full day of work. That means that we were now confronted with the question: when do we quit work? There were several criteria for this decision: before it gets dark, before it gets too cold. Well, the perhaps most important criterion turned out to be a rather pragmatic one. We couldn´t really make out heads or tails of some of the Jungle Jim parts and standing around trying to figure them out simply made us feel more cold. Consequently we ended our first full day of work about 5 p.m. Solveigh, however, stayed on with 2 people to do some measuring in the house.

At home we had our first township evening: cooking, showering, playing cards, greeting diverse guests who dropped by and last but not least eating supper. Before we retired we had a planning discussion led by Solveigh plus a “Tagesrückblick”.

von Carol Baerg

Montag, 4.8.08 von Johannes

Heute ist der 04.08.2008 und der Reihe nach werden die einzelnen Workcamp-Teilnehmer geweckt, um die einzige Duschmöglichkeit bestens auszunutzen. Während die einen noch am Waschen sind, beginnen die anderen bereits das Frühstück herzurichten. Es gibt verschiedene Müslisorten und Milch. Um ca. dreiviertel Neun gehen wir dann gemeinsam zur „Site“, um mit unserem Projekt „Kindergartenbau“ zu beginnen. Die Arbeit besteht anfangs einfach darin, die gesamte Fläche von größeren Steinen, Pflanzen und Müll, welcher von den meisten Einheimischen nur schnell auf den Boden geworfen wird, zu befreien. Bereits in den letzten Wochen wurde ein Rohbau mit zwei Räumen und einem Anbau für Toiletten errichtet, welchen wir heute eigentlich verputzen müssten. Doch sogleich müssen wir lernen, dass in Afrika die Pünktlichkeit bzw. das Einhalten von Abmachungen nicht so großgeschrieben wird, da der Mann, der uns das „Plastering“ zeigen sollte, nicht auftauchte. Deshalb war schon bald nach der Teepause, welche wir in Pearls Haus einlegten, das Arbeiten vorbei und wir machen uns auf den Heimweg zu Zoleka. Dabei werden wir von den Einheimischen zumeist freundlich begrüßt, teils mit Handschlag, teils über die Straße hinweg und es läuft alles ganz friedlich ab. Leider kommt es aber auch vor, dass uns manche nach einem Job fragen und es wird mir klar, dass nicht alle wissen, dass wir diese Arbeit freiwillig und unbezahlt machen. Für diese muss es danach aussehen, als ob wir ihre Jobs wegnehmen.

Zuhause bei Zoleka bekommen wir Mittagsessen, das die Kindergärtnerinnen für uns mitkochen. Es gibt Reis, Kartoffeln, Hühnchen und Kohl. Es gibt reichlich und schmeckt auch wirklich gut.

Wie schon am Vortag bestellen wir uns dann ein Taxi und fahren zuerst nach Camps Bay an den Strand. Wir glauben Wale zu sehen, genießen den Strand und das Meer und gehen in das Restaurant Somerville, welches direkt am Strand liegt und somit einen unvergesslichen Ausblick erlaubt. Überwältigt vom Sonnenuntergang fahren wir anschließend zur Waterfront. Der Hafen mit den vielen Yachten, die gepflegten Gebäude und die bummelnden Fußgänger vermitteln ein ganz anderes Bild, als wir es vom Township her kennen gelernt haben.

Nach einem kleinen Abendessen verweilen wir noch ein paar Minuten bei einem afrikanischen Männerchor, der es schafft, ohne großen Aufwand, echte Stimmung in der Straße zu erzeugen und fahren danach nach Hause.

Weil wir vom heutigen Tag sehr erschöpft sind, gehen wir nach einem waldorfschen Stuhlkreis sogleich ins Bett. Gute Nacht.

Johannes Budweiser

Sonntag, 3.8.08 von Franziska

Sonntag, 3. August 2008


Für Johannes, Carol (die wir in London getroffen haben), Maria, Franze und mich war heute Tag der Ankunft in Kapstadt. Wir werden von Pearl, der Tochter von Zoleka und ihrem Lebensgefährten abgeholt und fahren durch die Viertel nach Manenberg, wo unser Zuhause für die nächsten drei Wochen sein wird. Es ist frisch, aber nicht unangenehm kühl, die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau. Dann kommen wir an, werden herzlich von Zoleka und den anderen begrüßt.

Durch ein Tor gelangt man zu Zolekas Zuhause, links ist noch der alte Kindergarten, rechts ihr eigenes Heim, in dem wir wohnen dürfen. Wir schlafen aufgeteilt in zwei Zimmer.

Auch mir (genau wie Anna) fällt gleich der Pub links auf, vor dem sich viele Südafrikaner des Viertels treffen, es wird neugierig herübergeschaut, gewunken und gegrüßt. Bestürmt werden wir auch von Kindern, die in dem Haus ein- und ausgehen: Lolo hat sich sofort in Daphne verliebt und weicht ihr nicht mehr vor der Seite und Avuswa erzählt uns Geschichten vom Viertel.

Zusammen schauen wir uns dann alle den Arbeitsplatz unserer nächsten drei Wochen an, wo der Kindergarten eines Tages entstehen soll: Von Fotos kenne ich nur die Palme und konnte bis dahin schon den Aufbau eines Hauses mitverfolgen. Auf dem Gelände steht auch noch eine blau angestrichene Hütte des Mannes, der aufpasst, dass die Leute keinen Müll mehr auf das Gelände werfen. Aber so viel ist sicher: es gibt viel zu tun!

Danach gehen ein paar von uns einkaufen, und dann werden Sandwiches für den Ausflug geschmiert.

In einem weißen Kleinbus mit extra über der Tür angebrachten Boxen sausen wir bei offenen Fenstern und begleitet von melodiöser Technomusik mit gefühlten 1000 Dezibel über die Straße, mit dabei ein paar Bekannte, von denen ich immer noch nicht alle Namen kenne, oder wie genau sie jetzt mit wem verwandt, benachbart oder befreundet sind.

Unser erster Stopp führt uns an den Strand Cape Towns, wo die bunten Häuschen aufgestellt sind, die ich schon in Reiseführern gesehen habe. Mit dem Tafelberg im Rücken stehen wir am Strand und ich kann mein Glück gar nicht fassen: Hier sein zu können, morgen mit der Arbeit anzufangen, mit Leuten unterwegs zu sein, die mir so sympathisch und nach kurzer Zeit schon so vertraut sind, das Leben hier im Township von innen kennenlernen zu können. Und minütlich wächst mein Respekt vor diesem riesigen Kontinent, an dessen Spitze ich nun bin.

Wir essen die Sandwiches am Strand, ein paar von den Südafrikanern und Solveigh schmeißen sich trotz Kälte und Wind in die tosenden Wellen. Nach einem kleinen Spaziergang über den Strand, dem Einsammeln von Sand und Muscheln geht es dann noch weiter zu einem kleinen Markt, auf dem aber schon alle Verkäufer im Aufbruch sind. Wir probieren noch frittierte Donuts und fahren dann zur Century City Mall, dem größten afrikanischen Einkaufszentrum, wieder im Partybus.

In der Mall schnuppern wir eine Stunde herum, kaufen Sim-Karten für zwei Rand und fahren dann zurück in unser Haus. Dort wird noch gekocht, geduscht, gegessen... Am Ende des Tages bin ich ziemlich geschafft, aber es ist ja auch viel passiert.

Franziska Holzapfel

Montag, 4. August 2008

Samstag 2.8.08 von Anna

Eine lange Reise steht uns bevor...Sie startet für Solveigh, Daphne und mich in Konstanz am Bahnhof.
Mit dem Zug geht’s nach Frankfurt, wo sich unsere Wege fürs Erste einmal trennen. Solveigh fliegt über Dubai, Daphne und ich über Doha, was auch auf der arabischen Halbinsel liegt. Nach den ersten 6 Flugstunden treffen wir in Doha auf Severin, der von Zürich aus geflogen war. Zu dritt fliegen wir über Johannesburg nach Kapstadt wo wir um 6 Uhr abends voller Vorfreude und Spannung landen.
Während wir noch die ersten Nachrichten an die zu Hause gebliebenen schicken, um zu berichten, dass wir gut gelandet sind erwarten uns am Flughafen eine ganze Menge fröhlicher junger Menschen. Unter ihnen auch Solveigh, Sebastian und Philipp, die schon vor uns angekommen waren. Die jungen Menschen sind wunderschön gekleidet und haben Kriegsbemalungen auf dem Gesicht. Alle kommen sie auf uns zu und begrüssen uns aufs HHHHerzlichste. Zu dieser herzlichen Begrüssung gehörte dann auch eine farbenfrohe, fröhliche, rhythmische einfach atemberaubende Aufführung. Drei junge Mädchen trommeln was das Zeug hält und acht weitere Jugendliche führen einen powervollen afrikanischen Tanz auf, der nicht mehr enden wollte...
Trotzdem kamen wir dann endlich in unserem neuen zu Hause, in Manenberg, an. Was wird uns da wohl erwarten..? Diese Frage ist uns die letzten paar Monate und Wochen oft durch den Kopf gegangen. Und jetzt sind wir also hier. Uns erwartete eine Gegend, die sicher in Armut lebt, diese aber so fröhlich wie nur möglich zu leben scheint. Auf den Strassen sind überall Menschen unterwegs und gegenüber von unserer Unterkunft befindet sich ein Pub, in dem es keine Ruhe zu geben scheint.
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten ging’s gleich los in die Vangate Mall. Dort verpflegten wir uns mit Pizza – eine Wohltat nach dem ganzen Flugzeugessen:-)
Schlussendlich waren wir alle so müde, dass wir, zu Hause angekommen, sofort auf unser Schlaflager fielen und einschliefen...

Anna Dähler