Donnerstag, 30. Juli 2009

Sonntag, 19.7. von Verena und Susanne

19.07.2009

Ich mache die Augen auf und weiß, es ist Sonntag.
Warum? Es ist ein Tag an dem kein Tom unsere Schlafzimmertür öffnet, kein strenger Blick der sagen will: Aufstehen.
Trotzdem stehe ich an dem freien Tag früh auf, weil ich immer noch daran arbeite mein Duschkonzept zu perfektionieren. Eine Badewanne und ein Eimer heißes Wasser lassen viel Platz für Improvisation und Kreativität und diese Fähigkeit hat hier in Afrika Priorität.
Nach meinem zweiten Wascherlebnis, der Bewältigung des Berges der gestrigen Tafel, ist die Ankunft unseres persönlichen Partybusses nicht zu überhören. Obwohl die Frage nach dem tatsächlichen Besitz einer „driving licence“ des Fahrers immer lauter wird, erreichen wir bester Gesundheit und bester Laune Miuzenberg, einen malerischen Sandstrand. Sonne bei 25 Grad Celsius empfängt uns. (Selbst unsere neuen südafrikanischen Freunde fragen nach „a bit of suncreme to prevent dry skin“) Und einige Mutige unter uns wagen sogar den Sprung aufs Surfbrett. Das einzige Indiz, dass auf einen Wintertag hinweist, ist das eiskalte Wasser, welches selbst den Frost der einen oder anderen Nacht in Zolekas Haus überbietet.
Um 16:30 Uhr steigen wir ein in den Partybus und treten den Heimweg an mit neu eingelegter CD. Doch das ist nicht die letzte fahrt im Partybus an diesem Tag. Nach einer kurzen Pause vom Sonnenbaden müssen die fleißigen Arbeiter gefüttert werden. Ziel unseres heutigen Abends: Das Township „Gugulethu“, eine Partymeile, die sonntags Hochbetrieb hat.
Hier vergessen die Menschen ihren Alltag und stürzen sich auf feuchtfröhliche, unbeschwerte Stunden. Sehen und gesehen werden ist das Motto. Und eins ist sicher- wir als Touristen fallen auf in der tanzenden Menge.
Nachdem wir unser Fleisch bestellten (eine Alternative gibt es nicht) setzen wir uns an den Tisch. Doch Sitzen wird nicht toleriert. Die Partygäste tanzen überall und fordern auch uns auf die Musik in Bewegung umzuwandeln. So manch einer entpuppt sich als wahre Dancing Queen, andere wiederum bleiben bis zum Schluss hartnäckig auf ihren Stühlen sitzen.
Wie auch immer, zuhause angekommen war es für uns alle ein sehr erlebnisreicher Tag, mit vielen neuen Impressionen, die morgen weiter gesammelt werden.

Samstag, 18.7. von Rebecca Bracker

Das Schild, der Rest kommt noch... (südafrikanische Mentalität)

Wir wollten um 8 Uhr aufstehen, was aber nicht funktioniert hat. Mal wieder nicht. Aber irgendwie schafften wir es doch, dass alle um 9 Uhr ein bisschen verspätet mehr oder weniger aufbruchbereit sind, damit wir um 9 Uhr 20 losmarschieren können.
Auf der Baustelle angekommen, haben sich alle gleich total motiviert an die Arbeit gemacht, um das Fundament aufzuschütten. Aber es war um einiges schneller getan, da alle -Día, Eric, Susi, Verena, Daphne, Anna S., Felix, Tom, Khusta und ich- tatkräftig mitgeholfen haben. Die nächste Aufgabe sah am Anfang einfacher aus, als sich herausgestellt hat: Ein Schild aufzustellen kann wirklich kompliziert sein und benötigt die Kreativität von allen. Man musste schauen, wie wir die zu kurzen Schrauben länger machten, die nicht vorhandenen Löcher ohne Strom vorbohren und das Schild stabil im Boden verankern. Mit vielen Händen, unseren Köpfen und dem angezapften Strom von den Nachbarn stand das Schild dann doch noch. Während unseren verzweifelten Versuchen hat Eric seelenruhig seine Aufgabe zu Mauern 1A ausgefüllt.
Um 12 Uhr 30 haben wir uns dann schon auf den Heimweg gemacht, um uns noch für die Waterfront fertig zu machen. Überpünktlich kam unser Partybus, um uns dann verdammtschnell and der Waterfront ab zu setzten. Der Unterschied zum Township ist riesig, abgesehen davon, dass im Township und an der Waterfront das Leben pulsiert: Die Straßenkünstler an jeder Ecke versuchen ein paar Rand von den Touristen zu bekommen. Die Kulisse mit dem Tafelberg im Hintergrund ist wunderschön und die Musik, die überall ist gibt allen Rhythmus. Nachdem jeder mal im Internetcafé war, gegessen hat, Geld geholt hat und andere wichtige Sachen erledigt hat, haben wir noch einen kleinen Spaziergang im Sonnenuntergang entlang dem Meer vorbei am neuen Fußballstadium zu einem Strand gemacht, von dem alle mit riesengroßen wunderschönen Muscheln zurück gekommen sind. Ein Glück war es schon dunkel, sonst war es schon dunkel, sonst wären es noch mehr gewesen.
Bevor wir mit dem Taxi nach hause gedüst sind, haben wir noch schnell für die nächsten paar Tage Essen eingekauft. Wir sind dann zum Schluss und etwa 2 Stunden später als geplant nach hause gegangen, wo wir dann noch eine kleine Nachtschicht in der Küche eingelegt haben, um südafrikanische „Rusks“ zu backen. Sehr viel Improvisation war gefragt und beinahe hat der Ofen Feuer gefangen.
Ein langer und spannender Tag ging zu Ende.

Freitag, 17.7. von Felix Hohlmann

Wir starteten südafrikanisch in den Tag mit 30 Minuten Verspätung. Arbeitsbeginn war dann ca. 10 Uhr. Zunächst begannen alle außer Tom, die Erde auf dem Grundstück zu verteilen. Die Erde war keine Erde, wie man sie aus Deutschland oder Schweiz kennt sonder durchsetzt mit Müll und Wurzeln aller Art. Diese mussten beim Verteilen aussortiert werden. Tom, Eric und Día starteten damit, 3 Steinreihen für die Fundamentplatte zu mauern. Zur Mittagszeit wollten Susi und Verena Nudeln mit Tomatensoße kochen, wobei sich zuvor kein anderer gefunden hatte und die beiden uns allen versichert hatten, wir können nicht kochen. Keiner von uns zweifelte daran, dass sie Nudeln mit Tomatensoße hinbekommen würden. Die Tomatensoße war sehr gut, doch die Nudeln reichten leider nicht für alle, da ¾ von ihnen sich nach dem Abgießen im Blumenbeet wieder fanden und jeder Rettungsversuch misslang. Das vorhandene Essen wurde also geteilt und mit Brot ergänzt. Beim Essen haben wir beschlossen, dass wir keine weiteren Kochversuche im Kindergarten unternehmen werden, sondern dass in Zukunft Obst und Brot gegessen wird. Nach dem Essen wurde bis 15 Uhr weiter die Erde verteilt und gemauert. Am Abend kochte Zoleka und Siphiwe afrikanisch für uns. Sehr lecker!!! Die Gespräche, die den Tag beherrschten drehten sich um Verenas verlorenen, oder wie ich meinte verspäteten Koffer. Ich versuchte ihr zu erklären, dass in Südafrika alles etwas länger braucht.

Donnerstag, 16.7. von Daphne Daehler

Nachdem wir um 8 Uhr aufgestanden waren, um uns vor unserem ersten Arbeitstag mit Frühstück zu stärken, fuhren wir zusammen mit Zoleka zum Kindergarten indem wir die nächsten paar Wochen am Arbeiten sein werden. Unser südafrikanischer Bauleiter Eric und Hausmeister Día (Día im Gegensatz zu Eric kannten wir schon vom letzten Jahr) erwarteten uns schon, um uns die Anweisungen auf der Baustelle zu geben. Wir fingen damit an das Fundament fertig auszuheben und das herein geflossene Grundwasser auszuschöpfen. Als nächstes mischten wir den nötigen Beton (von Hand!!!). Plötzlich kam eine unerwartete Ladung Erde angefahren, die wir auf dem Grundstück verteilen sollten, um den Boden eben zu machen. Wie sich herausstellte brauchten wir hierfür einige Tage. Gegen halb vier begleitete uns Zoleka, Sohn Owo (1 Jahr) und Enkel Lolo (4 Jahre) uns zur Vangate Mall, wo wir Essen für den nächsten Tag kauften. Gleich danach sausten Zoleka, Tom und Felix zum Kapstädter Busbahnhof, um Rebecca (sie kam gerade aus Port Elisabeth, wo sie 3 Wochen auf der Farm ihrer Tante verbracht hatte) willkommen zu heißen. Als sie alle wieder zurück waren hatten Anna S. und ich (Daphne) schon fleißig das Abendessen gekocht gehabt. Mhhm fein, oder doch nicht? Naja, die Meinungen wurden verschwiegen. Nun kamen Pearl (Zolekas älteste Tochter, 27) und ihr Freund Loyd zur Tür hinein, um mit Tom Verena und Susanne vom Flughafen abzuholen. Leider war Verenas Gebäckstück irgendwo zwischen Deutschland und Südafrika stecken geblieben und nicht mit ihnen angekommen. So beendeten Anna S. und ich unseren ersten Arbeitstag im mir schon vertrauten Tambo Village.

Mittwoch, 15.7. von Tom Dembinski

Eine dreiviertel Stunde später als geplant fahren wir zur Baustelle, ganze 1000 Meter entfernt von Zolekas Haus. Einfach die belebte, Scherbenübersähte Tambo Avenue entlang Richtung Südpol. Das heutige Motto lautet „graben“. Der vermessene Graben für das Fundament der Küche muss Schaufinell ausgehoben werden. Das geht zwar an sich recht schnell, aber dadurch dass es fast die ganze Woche davor nur geregnet hat, steht der Wasserspiegel im Boden so hoch, dass es sich immer wieder in dem nur 40 cm tiefen Graben sammelt und die Rändern abröckeln. Insofern machen wir nur bis Mittag und hören dann auf, Laut Eric Zitutu dem angeheuerten Vorarbeiter würde das Wasser bis zum Folgetag schon wesentlich niedriger stehen. Wir sind also zeitig wieder bei Zoleka daheim und organisieren uns in den noch sehr leeren für uns freigeräumten Zimmern. Daphne und Anna kommen im Laufe des Nachmittags und verdoppeln die Zahl bereits anwesender Teilnehmer somit rational. Den Tag über haben wir noch zeit für uns. Abends lassen wir die Sau aus dem Sack ... Tokko schlägt vor ins Kino zu gehen, da heute Kinotag in einem Kino in der Waterfront-Mall sei. Khusta, Sipiye und eine Freundin Pumi sowie die etwas ruhige Minibuscrashastronaut Siya sind dabei. Der Film ist unsagbar einfältig und wir finden es sehr interessant wie man in diesem Land Filme gemacht werden. Wir fahren nachhause. In der Nacht in Kapstadt nach hause zu fahren gleicht einem Raketenstart. Um einen herum flitzen bunte Lichter vorbei, es rattert an allen Ecken und ist wahnsinnig laut, weil auf Anschlag gedrehte House-musik aus den Lautsprechern schallt, nein schießt, nein explodiert. Ich bezahle den netten Fahrer mit einen Fiepen in den Ohren und der Tag ist vorbei.

Dienstag, 14.7. von Tom Dembinski

Dicke Wolken verdecken den Tafelberg während ich, der unerschrockene Tom und der unerschrockenere Felix am Kapstadter Bahnhof im Nieselregen auf Zoleka Kuthswa warten. Deutsche Nervosität kriecht uns die Waden empor dass wir sie 10 Minuten über der Zeit anrufen. Südafrikanische Gelassenheit tont aus dem Hörer und verkündet Zolekas Ankunft so etwa ne Stunde später. Da wäre noch was zu erledigen. Schließlich ist sie da, und wir fahren nach Tambo Village um unser Gepäck abzulegen. Gleich geht es weiter an den Ort des Geschehens, die Baustelle, den Kindergarten, THE CRESCHE, auf welchem auch schon einige Leute verschiedener Bedeutsamkeit fürs Projekt versammelt stehen. Wir planen und stecken das Gelände für das neue Gebäude ab. Standardmäßig mit großen Holzsplittern und Plastik oder Metallmüll. Danach ging es bereits ans Besorgen der Materialien im nächstgelegenen Hardwareshop, welche Zolekas Lieblings-Hardwares ist, da ihr hier die Preise so gut gefallen. 30 Säcke Zement, 900 Ziegel in zwei verschiedenen Größen, Plastikplane, Mauerzwischenlegdoppeldrahtrolle (Brickforce nennen die das hier) und so weiter. Das kostet Tausende! Rand. Alles wird bereits am nächsten Tag geliefert.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Workcamp 2009: alle sind wohlauf

Eine kurze Zwischenmeldung an die besorgten Eltern: Aus Manenberg höre ich, dass alle wohlauf sind, sich sehr gut verstehen, sich mit den gegebenheiten arrangieren und es mit der Arbeit voran geht.
Die Blogeinträge in aller ausführlichkeit werden dann ab nächster Woche online sein (momentan fehlt es noch an einem pc, um diese abzutippen).
Viele Grüße und vielen Dank für alle Unterstützung,

Solveigh